Kann man einen Schlaganfall vermeiden?

In Deutschland wird die Inzidenz des Schlaganfalls, auch Hirnschlag oder Apoplex genannt, auf circa 150-200/100000 Einwohnern (Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr) angegeben. Für die Betroffenen und Angehörigen ist das ein Schock, der sie oft genug unerwartet aus heiterem Himmel trifft und gravierende Folgen mit sich bringt: Für den Betroffenen in Form neurologischer Einschränkungen, für die Angehörigen oftmals die Organisation der Pflege und Umstellung der Lebensverhältnisse.

Doch was ist und wie entsteht ein Schlaganfall? Bei einem Schlaganfall kommt es meistens zu einem Verschluss einer oder mehrerer das Gehirn mit Blut versorgender Arterien – daher Hirnschlag. Das passiert entweder durch Gerinnsel oder Gefäßverkalkungen. Gehirnzellen können daraufhin nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden, es kommt zu einem Absterben ebendieser Zellen – im medizinischen Fachjargon ischämischer Infarkt. Daraus folgt ein „schlagartiger“ Ausfall bestimmter Fähigkeiten des Gehirns.

Symptome eines Schlaganfalls

Da ein Apoplex prinzipiell überall im Gehirn auftreten kann, ist die Bandbreite möglicher Symptome natürlich sehr groß. Sie haben allerdings eines gemeinsam: Die Beschwerden treten meistens einseitig und schlagartig auf. Bei ersten Anzeichen eines Hirnschlags ist schnelles Handeln oberstes Gebot.

Je nachdem welche Gehirnregionen von dem Hirnschlag betroffen sind, treten folgende Anzeichen auf:

  1. Einseitige Lähmung von Arm oder Hand (Kraftlosigkeit)
  2. Einseitige Lähmung von Bein oder Fuß
  3. Einseitige Lähmung des Gesichts (hängender Mundwinkel, ungleiche Gesichtszüge)
  4. Schwierigkeiten beim Sprechen (verwaschene, undeutliche Sprache, Wortfindungsstörungen)
  5. Auch Probleme beim Sehen können auf einen Hirnschlag hindeuten. Kurzfristiges, einseitiges Erblinden, DoppelbilderDoppelbilder, „Verschwommensehen

Bei ersten Anzeichen des Auftretens eines oder mehrerer dieser Symptome sollte umgehend der Notarzt unter 112 verständigt werden – nur eine rechtzeitige Therapie sichert Überleben. Zeit ist Hirn!

Doch bleiben die Symptome nach Behandlung bestehen? Durch eine intensive Rehabilitionsbehandlung im Anschluss hat sich die Prognose nach einem Schlaganfall deutlich gebessert. Die Sterblichkeit liegt zwar immer noch bei 10-15%, der Anteil der Schwerbehinderten (intensiv Pflegebedürftig) ist unter 20% gesunken, leichte Behinderungen bleiben bei 15% zurück, 40% der Patienten erreichen aber wieder eine gute Überlebensqualität.

Der Apoplex ist prinzipiell eine Gefäßerkrankung, deshalb ähneln sich auch die Risikofaktoren für Kardiovaskuläre Erkrankungen und Schlaganfälle. Man kann allerdings selber zur Senkung des Risikos beitragen.

Ursachen und Risikofaktoren für Schlaganfälle

Die Ursachen für einen Apoplex können in nicht beeinflussbare und beeinflussbare Risikofaktoren unterteilt werden. Nicht beeinflussbare Risikofaktoren sind Alter, Geschlecht und genetische Dispositionen. Ab dem 55. Lebensjahr verdoppelt sich das Risiko einen Hirnschlag zu erleiden pro Dekade. Männer haben ein um bis zu 30% höheres Risiko für die Erkrankung als Frauen. Aber auch die genetische Disposition spielt eine Rolle. Manche Schlaganfälle lassen sich auch durch gut kontrollierte Risikofaktoren nicht verhindern.

Zu den beeinflussbaren Risikofaktoren zählen hingegen in erster Linie Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Bewegungsmangel – generell Risikofaktoren die man auch bei Herzinfarkten findet.

Der stärkste Risikofaktor für Schlaganfälle ist der Bluthochdruck (arterielle Hypertonie). Im Vergleich erhöht ein nicht eingestellter Hypertonus das Risiko gegenüber nicht Exponierten um das 5 (!) fache. Die Bedeutung für die Entstehung von Schlaganfällen kann man daran erkennen, dass 30% der Bevölkerung an Bluthochdruck leiden. Eine suffiziente Behandlung des Hypertonus mit langfristiger Einstellung unter Werten von 140/90 kann dem entgegenwirken.

Herzerkrankungen sind ebenfalls bei der Genese eines Schlaganfalls nicht zu unterschätzen. Bei vielen Erkrankungen des Herzens kommt es zu einer „Strömungsstörung“ des Blutes (Stase), die eine Gerinnung des Blutes an manchen kleinen Stellen des Herzens möglich macht (linkes Herzohr). Geronnenes Blut kann in Form von Thromben mit dem Blutstrom gerissen werden, in die zum Gehirn führenden Arterien geraten (Arteria carotis interna) und funktionelle Endarterien im Gehirn verstopfen – ein Hirnschlag entsteht.

Eine relativ häufige Krankheit stellt das sogenannte Vorhofflimmern dar, eine leichte Rhythmusstörung des Herzens, die aber deutliche Strömungsstörungen verursacht. Um aber eine Gerinnung des Blutes zu verhindern, greift der Arzt zu sogenannten Gerinnungshemmern – dem wohlbekannten Marcumar. Durch eine sorgfältige Überprüfung der Herzfunktion mittels EKG und regelmäßiger Therapiekonformer Einnahme der Medikamente lässt sich auch hier das Risiko deutlich senken.

Auch ein nicht therapierter Diabetes mellitus (Blutzucker) ist – da er eindeutig gefäßschädigende Wirkungen hat – ein Risiko für Schlaganfälle, genauso wie Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Blutfette). Bei den Blutfetten sind aber nur sehr hohe Cholesterinwerte von 240 mg/dl eindeutig als Risikofaktor auszumachen.

Rauchen erhöht das relative Risiko für Schlaganfälle um das 2-4 fache – je mehr Zigaretten, desto höher.

Bei Alkohol wirken geringe Mengen (also ein Glas Bier/Wein pro Tag) interessanterweise protektiv, chronischer Alkoholmissbrauch oder auch bereits riskanter Konsum erhöhen aber den Blutdruck und folglich die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall. Speziell für Frauen: Die Kombination aus Übergewicht, Rauchen und oralen Kontrazeptiva („Pille“) erhöht das Risiko ebenfalls leicht.

Die Ursachen für einen Apoplex sind also vielfältig und zur Vorbeugung sollten daher einige Dinge beachtet werden. So lassen sich die meisten Schlaganfälle verhindern.

Vorbeugung, um das Risiko eines Hirnschlags zu verringern

Nun, welche Konsequenzen aus diesen Zahlen und Zusammenhängen auch hinsichtlich der Früherkennung von Schlaganfällen ziehen? Wie kann man Schlaganfall verhindern, vermeiden, besser noch: vorbeugen? Die Maßnahmen zur Vorbeugung eines Schlaganfalls auf einen Nenner gebracht heißen: Gesund leben! Im Einzelnen bedeutet das:

  1. Regelmäßige Arztbesuche und das Befolgen ärztlicher Ratschläge senken Risiko!
  2. Bewegung! Dreimal die Woche eine halbe Stunde den Fuß vor die Tür setzen senkt den Blutdruck, senkt die Blutfette, senkt Risiko
  3. Gesunde Ernährung! Weniger Fast Food, mehr Salat! Weniger Fett, weniger Zucker, weniger Salz!
  4. Gemäßigter Alkoholkonsum!
  5. Mit dem Rauchen aufhören!

Ein Schlaganfall ist in den seltensten Fällen Schicksal. Durch eine gesunde und bewusste Lebensweise lässt sich das Risiko dafür deutlich senken und sind die beste Vorbeugung zum Verhindern von einem Schlaganfall. Nachzulesen in den Leitlinien zum Apoplex der AWMF: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/053-011.html


Bildnachweis: © www.fotolia.com – Robert Kneschke

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