Extrasystolen: Ursachen, Symptome & Behandlung

Bei Extrasystolen handelt es sich um eine Herzrhythumsstörung, die umgangssprachlich auch als Herzstolpern bezeichnet wird. Die Symptome können dabei zwar sehr störend sein, doch ist diese Krankheit weitestgehend ungefährlich.

Extrasystolen: Was ist das eigentlich?

Viele Menschen können mit dem Begriff Extrasystole zunächst einmal nichts anfangen. Obwohl es sich dabei um eine häufige Fehlfunktion des Herzens handelt, ist diese Krankheit recht unbekannt. Daher ist es zunächst einmal wichtig, genau zu erklären, was es damit auf sich hat. Extrasystolen zählen zu den Herzrhythmusstörungen. Da diese jedoch ganz unterschiedliche Formen und Ausprägungen annehmen können, ist es wichtig, weiter zu differenzieren.

Bei einer Extrasystole handelt es sich um einen Herzschlag, der außerhalb des gewöhnlichen Rhythmus stattfindet. Er tritt daher verfrüht auf. Das fühlt sich für die Betroffenen häufig an, als würde das Herz stolpern. Daher ist der umgangssprachliche Ausdruck für diese Krankheit Herzstolpern. Der Grund für diesen zusätzlichen Herzschlag liegt in einer fehlerhaften Reizbildung im Herzen. Jeder Herzschlag wird durch einen elektrischen Impuls ausgelöst, den der Sinusknoten verursacht. Dieses Organ gibt den Takt des Herzschlags vor.

Gelegentlich kann es jedoch auch vorkommen, dass an einer anderen Stelle im Herzen ein elektrischer Impuls auftritt. Dieser Impuls liegt nicht im gewöhnlichen Takt des Herzschlags. Daher kommt es zu zusätzlichen Schlägen – also zu Extrasystolen. Die Mediziner unterscheiden dabei zwischen zwei verschiedenen Ausprägungen der Krankheit: Supraventrikuläre und ventrikuläre Extrasystolen. Bei einer supraventrikulären Extrasystole (SVES) entsteht dieser Impuls im Vorhof. Bei einer ventrikulären Extrasystole (VES) wird der entsprechende Reiz hingegen innerhalb der Herzkammer ausgelöst.

Video: Herzrhythmusstörungen – Extrasystolen

Sind Extrasystolen gefährlich?

Das Herz ist ein lebenswichtiges Organ. Kann es seiner Aufgabe nicht mehr in vollem Umfang nachkommen, kann das schwere Folgen für die Patienten nach sich ziehen. Wenn das Herz seine Funktion einstellt, führt das innerhalb kürzester Zeit zum Tod.

Die folgende Statistik zeigt die zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland auf. Dabei nehmen die ersten beiden Plätze Herzerkrankungen ein. Insgesamt sind vier der häufigsten zehn Todesursachen auf eine Fehlfunktion des Herzens zurückzuführen.

Die zehn häufigsten Todesursachen in Deutschland
Todesursache Anzahl Anteil (in Prozent)
Chronische ischämische Herzkrankheit 72 062 7,9
Akuter Myokardinfarkt (Herzinfarkt) 48 669 5,3
Lungen- und Bronchialkrebs 45 776 5,0
Herzinsuffizienz (Herzschwäche, Herzmuskelschwäche) 40 334 4,4
Nicht näher bezeichnete Demenz 33 710 3,7
Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit 29 911 3,3
Hypertensive Herzkrankheit 23 829 2,6
Brustdrüsenkrebs 18 736 2,1
Sonstige ungenau oder nicht näher bezeichnete Todesursache 18 368 2,0
Bösartige Neubildung des Pankreas 18 052 2,0

 

Wenn man diese Auflistung betrachtet, wird klar, wie gefährlich Herzkrankheiten sind. Sollte ein Problem wie das Herzstolpern auftreten, führt das dazu, dass viele Menschen große Sorgen und Ängste entwickeln. Wenn man die Tabelle genau anschaut, fällt jedoch ebenfalls auf, dass Herzrhythmusstörungen darin überhaupt nicht auftauchen. Insbesondere die koronare beziehungsweise ischämische Herzkrankheit stellt eine häufige Todesursache dar. Auch der Herzinfarkt und andere Formen der Herzschwäche ziehen zahlreiche Todesfälle nach sich. Herzrhythmusstörungen sind hingegen in dieser Statistik nicht zu finden. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese immer harmlos sind.

Ein Beispiel hierfür ist das Vorhofflimmern. Dieses führt zwar nicht direkt zum Tode, allerdings erhöht es die Wahrscheinlichkeit für andere schwerwiegende Krankheiten wie Herzinsuffizienz oder Schlafanfälle. Das trifft jedoch nicht auf alle Herzrhythmusstörungen zu. Extrasystolen erhöhen im Gegensatz zum Vorhofflimmern nicht das Risiko für andere tödliche Krankheiten. Sie sind in der Regel vollkommen ungefährlich. Meistens tritt diese Fehlfunktion nur vereinzelt auf und nach wenigen Sekunden findet das Herz wieder zu seinem gewohnten Rhythmus zurück.

Allerdings wäre es falsch, zu sagen, dass Extrasystolen vollkommen ungefährlich sind. Das liegt daran, dass sie manchmal ein Zeichen für eine schwerere Herzkrankheit sind. Beispielsweise beginnt das lebensbedrohliche Kammerflimmern normalerweise mit einer Extrasystole. Daher ist es auf jeden Fall wichtig, eine kardiologische Untersuchung durchzuführen, wenn Extrasystolen auftreten.

Extrasystolen treten ausgesprochen häufig auf. Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung davon betroffen ist.

Extrasystolen treten ausgesprochen häufig auf. Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung davon betroffen ist. (#01)

Extrasystolen: Eine sehr häufige Herzkrankheit

Extrasystolen treten ausgesprochen häufig auf. Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung davon betroffen ist.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch die Ergebnisse einer solchen Studie. Dabei wurden 147 Männer verschiedenen Alters untersucht.

Häufigkeit für das Auftreten von Extrasystolen nach Altersgruppen (bei Männern)
15-24 25-34 35-44 45-54 55-66 Gesamt
Supraventrikulär 65 % 58 % 63 % 77 % 93 % 75 %
Ventrikulär 30 % 23 % 41 % 52 % 65 % 46 %

 

Die Ergebnisse zeigen, dass ein sehr großer Anteil der Bevölkerung von diesem Problem betroffen ist. Insbesondere bei Personen zwischen 55 und 66 Jahren wiesen über 90 Prozent der Probanden diese Fehlfunktion auf. Darüber hinaus macht die Studie deutlich, dass supraventrikuläre Extrasystolen deutlich häufiger auftreten als ventrikuläre.

Die Symptome bei Extrasystolen

Einer der wesentlichen Gründe dafür, dass diese Fehlfunktion des Herzens trotz ihrer weiten Verbreitung recht unbekannt ist, liegt darin, dass die meisten Patienten sie überhaupt nicht bemerken. Rund 70 Prozent der Betroffenen, bei denen das Herzstolpern diagnostiziert wird, spüren keinerlei Symptome. Nur in besonders schweren Fällen spüren sie den zusätzlichen Herzschlag.

Nach der Extrasystole kommt es meistens zu einer kleinen Ruhepause. Die Patienten haben dabei häufig den Eindruck, als würde der Puls aussetzen. Das führt manchmal zu Angstgefühlen. Der Herzschlag setzt jedoch nach wenigen Sekunden wieder ein. Während dieser Pause füllt sich das Herz jedoch stärker mit Blut als gewöhnlich. Das hat zur Folge, dass die Patienten diesem Herzschlag häufig als besonders schwer und unangenehm empfinden und manchmal sogar Schmerzen verspüren.

 Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass ein übermäßiger Genuss von Koffein, Alkohol oder Nikotin Extrasystolen auslösen kann.

Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass ein übermäßiger Genuss von Koffein, Alkohol oder Nikotin Extrasystolen auslösen kann.(#02)

Welche Ursachen hat diese Herzkrankheit?

Die Ursachen, die Extrasystolen auslösen können, sind ausgesprochen vielfältig. Häufig sind Nahrungs- und Genussmittel für den verfrühten Herzschlag verantwortlich. Untersuchungen haben beispielsweise ergeben, dass ein übermäßiger Genuss von Koffein, Alkohol oder Nikotin Extrasystolen auslösen kann.

Auch bei Drogensüchtigen ist dieses Problem weit verbreitet. Eine Übermüdung kann ebenfalls zu diesem Krankheitsbild führen. Schließlich stellt eine emotionale Erregung eine häufige Ursache dafür dar. Darüber hinaus ist es jedoch auch möglich, dass eine andere Erkrankung zu dieser Fehlfunktion führt.

Ein Beispiel hierfür ist die Schilddrüsenüberfunktion. Auch bei Kaliummangel kann sie vorkommen. Manchmal wird eine Extrasystole auch durch andere Herzkrankheiten ausgelöst – beispielsweise durch eine koronare Herzerkrankung, eine Kardiomyopathie oder eine Herzmuskelentzündung. Das ist auch der Grund dafür, dass es beim Auftreten dieser Krankheit sinnvoll ist, einen Arzt aufzusuchen – obwohl sie für sich genommen eigentlich harmlos ist. Sie kann jedoch ein Anzeichen für eine schwerere Erkrankung sein, die unbedingt behandelt werden sollte.

Schließlich gibt es noch einen weiteren Auslöser für den verfrühten Herzschlag: Verschiedene Medikamente. Insbesondere Präparate gegen Herzschwäche oder Psychopharmaka haben häufig entsprechende Nebenwirkungen.

Wann ist es notwendig, einen Arzt aufzusuchen?

Wie gesagt sind Extrasystolen in der Regel harmlos und bedürfen keiner ärztlichen Behandlung. Da der größte Teil der Menschen mit dieser Fehlfunktion diese nicht einmal bemerkt, lassen sie sie selbstverständlich auch nicht behandeln. Wenn der verfrühte Herzschlag jedoch sehr häufig auftritt und sich sehr störend bemerkbar macht, ist ein Arztbesuch zu empfehlen.

Das ist auch der Fall, wenn das Herzstolpern mit anderen Symptomen – beispielsweise mit Schwindelgefühlen oder mit einer Ohnmacht – einhergeht. In diesen Fällen ist eine Behandlung nicht nur zu empfehlen, um die lästigen Symptome zu lindern. Darüber hinaus ist es sinnvoll, zu untersuchen, ob nicht eine andere Herzerkrankung der Auslöser für die Beschwerden ist.

Wenn Sie mit diesem Problem zum Arzt gehen, veranlasst dieser in der Regel ein EKG und bei Bedarf auch ein Langzeit- oder ein Belastungs-EKG. Eine Echokardiografie – eine Ultraschalluntersuchung des Herzens – kann zusätzliche Erkenntnisse liefern.

Video: Herzrhythmusstörungen | Dr. Kurscheid & Joe Bausch | 05.08.2011

Die Behandlungsmöglichkeiten

In vielen Fällen ist überhaupt keine Behandlung notwendig. Wenn die Symptome jedoch sehr schwerwiegend sind, dann kann diese dennoch sinnvoll sein. Einen wichtigen Teil der Behandlung stellt es dar, die auslösenden Faktoren zu vermeiden. Falls Alkohol oder Koffein als Auslöser festgestellt wurde, ist es sinnvoll, auf diese Stoffe zu verzichten.

Eine Ernährungsumstellung ist auch dann zu empfehlen, wenn eine andere Herzkrankheit die Rhythmusstörungen verursacht. In diesem Fall ist es sinnvoll, auf Lebensmittel zu verzichten, die den Cholesterinspiegel oder den Blutdruck erhöhen. Auch auf Zucker sollte in diesem Fall weitestgehend verzichtet werden. Zusätzlich kann der Arzt weitere Medikamente verordnen, die den Blutdruck oder den Cholesterinspiegel senken. Darüber hinaus ist es wichtig, den Kaliumhaushalt zu überprüfen. Kaliummangel zählt ebenfalls zu den häufigsten Auslösern des Herzstolperns.

Wenn der Kaliumspiegel sehr niedrig ist, sollten Sie diesen durch entsprechende Präparate erhöhen. Während die genannten Behandlungsmöglichkeiten lediglich dabei helfen, die Ursachen des verfrühten Herzschlags zu vermeiden, gibt es auch Medikamente, die diesen direkt bekämpfen.

Hierbei sind Betablocker und spezielle Rhythmus-Medikamente hilfreich. Auch eine Katheterablation kann die Fehlfunktion beheben. Dabei handelt es sich um einen chirurgischen Eingriff, der die Stelle, die den zusätzlichen Herzschlag auslöst, einem Hochfrequenzstrom aussetzt. Dadurch wird sie verödet und kann keine falschen Signale mehr aussenden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:   pikselstock-#01: Dmytro Zinkevych -#02: Szasz-Fabian Jozsef

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Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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