In Studien der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe wird aufgezeigt, dass im Kammerbezirk Nordrhein trotz mindestens einer Apotheke pro Gemeinde die Zahl der Standorte auf 1.893 gesunken ist. Dieser Trend führt zu längeren Anfahrten im Nacht- und Notdienst. Präsident Hoffmann und Hauptgeschäftsführer Derix fordern deshalb das GKV-Fixhonorar als festen Bestandteil des Vergütungssystems. Nur so können Beratungskompetenz, Versorgungsqualität und regionale Gesundheitsinfrastruktur langfristig gesichert werden. Politische Entscheidungsträger sollten diesen dringenden Handlungsbedarf umgehend adressieren.
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893 Apotheken versorgen Düsseldorf und Köln zum 1. April
Stichtag 1. April 2026: Im Kammerbezirk Nordrhein mit Düsseldorf und Köln sind nur noch 1.893 öffentliche Apotheken verzeichnet. Ein Minus von drei seit Jahresanfang resultierte aus sieben Schließungen und nur vier Neueröffnungen. Diese seit mehr als 25 Jahren beobachtete Abnahme belastet insbesondere ländliche Gebiete, wo der Zugang zur Arzneimittelversorgung erschwert wird. Dr. Armin Hoffmann warnt vor einer weiteren Aushöhlung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung und fordert Gegenmaßnahmen auf Bundes- und Landesebene sofort.
Bezirk Nordrhein verliert 2,4 Prozent öffentliche Apotheken binnen Monatsfrist
Innerhalb eines Zeitraums von fünfzehn Monaten kam es im Kammerbezirk Nordrhein zu Schließungen von insgesamt siebenundvierzig Apotheken, was einer Verminderung um 2,4 Prozent der Gesamtzahl entspricht. Diese Entwicklung deutet auf tiefgreifende Veränderungen in der regionalen Arzneimittelinfrastruktur hin. Durch die abnehmende Apothekendichte könnten Zugangsbarrieren für Patientinnen und Patienten entstehen, insbesondere in ländlichen Gebieten, was die Nachfrage nach innovativen Versorgungsmodellen und politischen Maßnahmen erhöht sowie Notdienstversorgung vor Ort in Frage stellt.
Nötige Gegenmaßnahmen: Apothekenprotest in Berlin Düsseldorf Hannover München gefordert
Apothekerinnen und Apotheker haben in den Städten Berlin, Düsseldorf, Hannover und München öffentlichkeitswirksam protestiert, um auf die finanziellen Engpässe ihrer Betriebe hinzuweisen. Insbesondere kritisieren sie die unzureichende Fixhonorierung im GKV-System, die ihre Handlungsspielräume zunehmend einschränkt. Mit ihren Aktionen fordern sie eine zeitnahe Erhöhung des Fixhonorars, transparente Vergütungsstrukturen sowie politische Maßnahmen, die eine flächendeckende Arzneimittelversorgung sicherstellen und den Fortbestand unabhängiger Apotheken gewährleisten. Eine breite gesellschaftliche Debatte anzustoßen mit Dringlichkeit und Klarheit.
Apothekerkammern zeigen: Schließungen gefährden schnelle Arzneimittelversorgung nachts und Notdienst
Dr. Stefan Derix betont, dass jede Schließung einer öffentlichen Apotheke die regionale Arzneimittelversorgung empfindlich schwächt und somit die Versorgungssicherheit beeinträchtigt. Untersuchungen der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe zeigen, dass in jeder Kommune noch mindestens eine Apotheke vorhanden ist. Doch bereits im Nacht- und Notdienst verlängern sich die Anfahrtsstrecken zeitlich erheblich. Patientinnen und Patienten sind dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt, weil essentielle Medikamente im dringenden Bedarfsfall nicht zeitnah bereitgestellt werden können.
Warnung vor Normalisierung: Apothekensterben erfordert dringend sofortige politische Maßnahmen
Nach Einschätzung von Dr. Hoffmann schwächt eine passive Akzeptanz des schrittweisen Aus für viele Apotheken die Motivation lokaler Gremien zu handeln. Wenn das Aussterben von Apotheken als naturgegeben betrachtet wird, verlieren Bürgermeister und Landräte den Anreiz, Standorte zu retten oder neu zu etablieren. Apotheken bieten mit ihrem unkomplizierten Notdienst, der persönlichen Beratung und der schnellen Medikamentenbeschaffung unverzichtbare Strukturen zur Grundversorgung, besonders auf dem Land. Dies betrifft vor allem ländliche Regionen.
Mehr Investitionen statt Sparplänen für Apotheken sichern dringend Patientenversorgung
Vor dem Hintergrund der Gutachten zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung betonen Dr. Hoffmann und Stefan Derix, dass ein Abbau apothekerlicher Leistungen zu Lasten der Patientensicherheit geht. Apotheken übernehmen zentrale Aufgaben von der Beratung über die Arzneimittelabgabe bis zum Notdienst und fungieren als Gesundheitspartner vor Ort. Ihre Einrichtungen sind damit integraler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Ein Abbau dieser Strukturen stelle ein erhebliches Risiko für die flächendeckende und verlässliche Arzneimittelversorgung dar.
Angesichts des anhaltenden Kostendrucks auf Apothekenbetriebe wird eine Anpassung des Fixhonorars als überfälliger Schritt betrachtet, um wirtschaftliche Stabilität und Zukunftssicherheit zu gewährleisten. Gesundheitsministerin Nina Warken hat signalisiert, dass sie die Maßnahme politisch unterstützen wird. Durch gezielte Honorarnachbesserungen können neben Kostensteigerungen für Miete und Personal auch Investitionen in patientennahe Dienstleistungen und Präventionsprogramme finanziert werden. Dies trägt zur Stärkung des Gesundheitswesens und zur Absicherung regionaler Versorgungsnetze bei. Junge Apotheker erhalten vertrauenswürdige Perspektiven.
Im aktuellen Koalitionsvertrag wurde beschlossen, das apothekenbezogene Fixhonorar noch dieses Jahr deutlich zu erhöhen. Dieses Vorhaben ist notwendig, um drohende Schließungen kleinerer Apotheken zu verhindern und die Arzneimittelversorgung in allen Regionen zu sichern. Gesundheitsministerin Nina Warken erhält hierbei uneingeschränkte Rückendeckung aus der Apothekerschaft. Gerade angehende Apothekerinnen und Apotheker benötigen verlässliche Rahmenbedingungen, damit sie Betriebsübernahmen oder Neugründungen mit ausreichender Rentabilität realisieren und langfristig Bestand sichern können sowie regionale Versorgungsnetze effektiv stärken.
Apotheken vor Ort übernehmen eine zentrale Rolle für die gesundheitliche Grundversorgung, indem sie niedrigschwellige Beratung anbieten, verschriebene Arzneimittel umgehend abgeben und Notdienste in allen Regionen sicherstellen. Die kontinuierliche Schließungswelle im Kammerbezirk Nordrhein gefährdet diese Grundpfeiler, führt zu lückenhaften Betreuungsangeboten, verlängerten Anfahrtswegen besonders nachts und einer erhöhten Belastung anderer Gesundheitseinrichtungen. Nur mit politischem Engagement, finanziellen Anreizen wie einem angepassten GKV-Fixhonorar und aktivem gesellschaftlichem Austausch lässt sich die wohnortnahe Versorgung retten nun.

