Zuverlässige Diagnose spart kostbare Zeit nach akutem Schlaganfall
Akute Gehirnblutungen lassen sich mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) mindestens ebenso zuverlässig erkennen wie mit der Computertomographie (CT). Durch Verzicht auf die absichernde CT-Untersuchung kann kostbare Zeit gespart, die Therapie früher begonnen und Hirngewebe vor dem Untergang bewahrt werden. Dies sind Ergebnisse einer Studie unter Federführung der Abteilung Neuroradiologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg, die jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift "Stroke" veröffentlicht worden ist und in ihrem Editorial als "Meilenstein" der Schlaganfall-Diagnostik gewürdigt wird.
Anhand des MRT-Bildes, so das Ergebnis der Studie, lässt sich sicher beurteilen, ob ein akuter Schlaganfall durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung im Gehirn verursacht wurde. Derzeit wird zur Absicherung meist eine zeitaufwendige CT-Aufnahme gemacht. Durch den Verzicht auf die zusätzliche Diagnostik kann frühzeitig mit der Behandlung, der Auflösung (Lyse) des Blutgerinnsels im Hirngefäß durch Gabe eines Lysemittels, begonnen werden, und das Leben des Patienten gerettet oder schweren Behinderungen vorgebeugt werden. Bei einer Blutung darf die Lyse jedoch nicht zum Einsatz kommen, da sie die Blutung verstärken würde.
Die Studie wurde an sechs Schlaganfall-Zentren (Universitätskliniken Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Kiel, Mainz, Heidelberg und Mannheim) im Rahmen des Kompetenznetzes Schlaganfall durchgeführt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Die Federführung lag bei Dr. Jochen Fiebach, Arzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Neuroradiologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Klaus Sartor) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Neurologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Werner Hacke) des Universitätsklinikums Heidelberg.
Etwa Dreiviertel aller Patienten mit Schlaganfall haben einen Gefäßverschluss
"Etwa drei Viertel aller Patienten, die einen akuten Schlaganfall erleiden, haben einen Gefäßverschluss," erklärt Dr. Fiebach. Ein Blutpfropfen verstopft das Hirngefäß, das umliegende Gehirngewebe wird nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt. Bei etwa 25 Prozent der Patienten liegt dagegen eine Blutung aus einem geplatzten Hirngefäß zugrunde. Auch hier geht Hirngewebe durch eine lokale Druckerhöhung zugrunde.
Für die Studie begutachteten drei diagnostisch versierte Ärzte MRT-Bilder von 124 Patienten, deren Diagnose ihnen nicht bekannt war. Die akuten Blutungen und Gefäßverschlüsse im Gehirn waren innerhalb von maximal sechs Stunden nach dem Schlaganfall im MRT untersucht worden und diagnostisch im CT abgesichert worden. Alle Befunde wurden von den drei Experten richtig diagnostiziert; auch Medizinstudenten im letzten klinischen Semester waren zu 95 Prozent in der Lage, die richtige Diagnose zu stellen.
"Die technischen Voraussetzungen für die MRT-Diagnostik von Blutungen beim akuten Schlaganfall werden von den meisten Geräten, die heute im Einsatz sind, gewährleistet," sagt Dr. Fiebach. Erforderlich ist eine Feldstärke von 1,5 Tesla sowie ein sogenanntes "Echoplanares Imaging", bei dem innerhalb von 3 Sekunden 20 Schichtaufnahmen des Gehirns angefertigt werden können.
Multizenterstudien wie die MRT-Studie werden durch die besondere Struktur des Kompetenznetzes Schlaganfall gefördert, das1999 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründet worden ist. Darin arbeiten Akteure der Versorgung, klinische Wissenschaftler und Grundlagenforscher eng zusammen. Ziel ist es, die Arbeit führender Forschungsgruppen zu bündeln, die Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern - und damit die Schlaganfall-Forschung noch effizienter voranzutreiben. Neue medizinische Problemlösungen können rascher entwickelt werden und zügiger den Patienten zugute kommen.
Quelle: Pressemeldung Kompetenznetz Schlaganfall
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